Wie deine Kinder den Umgang mit Geld lernen – und warum Taschengeld allein nicht reicht
Mal Hand aufs Herz. Wenn du an das Thema Kinder und Finanzen denkst, woran denkst du zuerst? Wahrscheinlich schwirrt dir sofort die Frage durch den Kopf, wie viel Kohle du jeden Monat auf ein Sparkonto packen solltest. Du überlegst, welcher Sparplan die besten Zinsen bringt, damit der Nachwuchs mit achtzehn Jahren einen netten Batzen Geld zur Verfügung hat.
Genau an dieser Stelle hast du dich gewaltig geschnitten. Das ist nämlich einer der größten Denkfehler überhaupt. Es geht hier absolut nicht darum, wie viel Geld du für deine Kinder zur Seite legst. Viel wichtiger ist eine ganz andere Frage. Wie lernen deine Kinder eigentlich selbst den richtigen Umgang mit Geld?
Was nützt das am besten gefüllte Sparkonto, wenn dein Kind später überhaupt keine Ahnung hat, wie man mit Moneten umgeht? Wenn die mühsam angesparten Tausender am ersten Tag der Volljährigkeit für den größten Blödsinn verpulvert werden? Richtig, es nützt absolut gar nichts. Erziehung zur finanziellen Intelligenz fängt viel früher an. Sie beginnt genau jetzt, im ganz normalen Alltag im Kinderzimmer.
Der private Geld-Injektor für deinen Alltag
Willst du tiefer in die Welt der Finanzen eintauchen und suchst nach echten, ungeschminkten Ratschlägen? In meinem Newsletter teile ich ganz private Details aus meinem Leben und gebe dir regelmäßig den bitter nötigen Tritt in den Hintern. Es ist an der Zeit, dass du endlich in die Puschen kommst und dich ordentlich um deine Kohle kümmerst. Keine Ausreden mehr.
Warum reines Taschengeld eine absolute Vollkatastrophe ist
Natürlich ist Taschengeld ein wunderbares Werkzeug. Es ist die erste eigene Währung, mit der ein junger Mensch hantieren darf. Doch einfach nur jeden Monat einen festen Betrag rüberzuschieben und zu hoffen, dass alles gut wird, ist naiv. Ohne eine klare Struktur lernen Kinder dabei nur eines: Geld kommt rein, Geld wird bis auf den letzten Cent verbraten und danach wird gewartet, bis es Nachschub gibt.
Das ist genau das Verhalten, das wir später bei unzähligen Erwachsenen beobachten können. Das Gehalt geht ein, das Konto wird rasiert und am Fünfzehnten des Monats herrscht gähnende Leere. Wer als Kind nie gelernt hat, bewusste finanzielle Entscheidungen zu treffen, wird es im Alter verdammt schwer haben. Konsum auf Pump und ständige Geldsorgen sind oft die logische Konsequenz.
Dabei ist es völlig egal, ob die Kids ihr Geld für Süßigkeiten, Comic-Hefte oder irgendeinen anderen Schrammel ausgeben. Sie müssen Fehler machen dürfen. Aber sie brauchen von Anfang an einen klaren Rahmen, der ihnen zeigt, dass Geld verschiedene Aufgaben hat. Geld ist nicht nur zum reinen Ausgeben da.
Das System der vier Töpfe: Struktur im Kinderzimmer
Wie bricht man nun komplexe Finanzkonzepte so herunter, dass ein Kind sie versteht? Die Lösung ist erstaunlich simpel und lässt sich hervorragend visuell darstellen. Ich nutze dafür ein klares Verteilungssystem, das auf vier verschiedenen Töpfen beziehungsweise Sparbüchsen basiert.
Das Prinzip ist einfach. Jedes Mal, wenn Geld eintrudelt, wird es nach einem festen Prozentsatz aufgeteilt. Das gilt übrigens nicht nur für das reguläre Taschengeld. Auch das Geld von der Oma zum Geburtstag oder kleine ungeplante Geschenke zwischendurch wandern direkt in diese Verteilung.
- Zehn Prozent wandern in den Geldmagneten
- Zwanzig Prozent fließen in die Urlaubskasse
- Zwanzig Prozent sind für langfristige Wünsche reserviert
- Fünfzig Prozent stehen zur freien Verfügung bereit
Der Geldmagnet: Die Basis für späteren Wohlstand
Die ersten zehn Prozent des Geldes werden sofort abgezogen. Bei uns hieß dieser Topf ganz am Anfang die Für-immer-Sparbüchse. Heute nennen wir ihn ganz pragmatisch den Geldmagneten. Die oberste Regel für diesen Topf lautet. Dieses Geld wird niemals, unter gar keinen Umständen, für Konsum ausgegeben.
Das ist der Anteil, der für die Zukunft bestimmt ist. Als Erwachsener macht man schließlich genau dasselbe, wenn man klug agiert. Man gibt ja auch nicht seine gesamten Einnahmen bis auf den letzten Cent aus. Aus diesem Topf wird später investiert. Das ist das Geld, das für das Kind arbeitet und langfristig Vermögen aufbaut.
Die Urlaubskasse: Konsum ohne Reue
Die nächsten zwanzig Prozent wandern in ein separates Gefäß für die Ferien. Kinder lieben es, im Urlaub ein eigenes Budget zu haben. Oft kommt die Frage auf, ob man sich an den freien Tagen dieses oder jenes kaufen darf. Mit der eigenen Urlaubskasse ist die Antwort glasklar.
Wenn wir in den Urlaub fahren, können die Kids von diesem Geld genau das kaufen, was sie wollen. Sei es das überteuerte Souvenir oder der dritte Eisbecher am Tag. Da wird vonseiten der Eltern nicht reingeredet. Das Schöne daran ist, dass sie diesen Topf wachsen sehen und sich monatelang auf den Urlaub freuen können.
Langfristige Wünsche: Das Ende der Sofortbefriedigung
Weitere zwanzig Prozent sind für größere Anschaffungen gedacht. Wir leben in einer Gesellschaft der totalen Sofortbefriedigung. Alles muss immer sofort verfügbar sein. Kinder sehen im Laden einen riesigen Lego-Camper oder die neueste Barbie und wollen das Teil am liebsten sofort mitnehmen.
Genau hier greift dieser Topf. Er lehrt die Kids die wichtige Fähigkeit der verzögerten Belohnung. Wenn ein Spielzeug fünfzig Euro kostet, das Taschengeld aber viel geringer ist, muss eben eisern gespart werden. Das dauert seine Zeit. Aber der Stolz, wenn das ersehnte Spielzeug schließlich vom eigenen, mühsam ersparten Geld gekauft wird, ist unbezahlbar.
Die fünfzig Prozent Freiheit: Einfach mal verjubeln
Die verbleibende Hälfte des Geldes gehört dem Hier und Jetzt. Das ist das Geld für den alltäglichen Kleinkram. Ob das Kind damit sofort in den Kiosk rennt und sich eine Tüte gemischtes Süßzeug holt, bleibt ihm völlig selbst überlassen.
Diese Freiheit ist extrem wichtig. Kinder dürfen sich nicht ständig kontrolliert oder eingeschränkt fühlen. Wenn die fünfzig Prozent weg sind, sind sie eben weg. Dann gibt es erst beim nächsten Mal wieder Nachschub. Aus diesem Lerneffekt ziehen die Kleinen die wertvollsten Lehren.
Der steinige Weg der Umsetzung: Aller Anfang ist schwer
Glaub jetzt bitte bloß nicht, dass ein solches System von heute auf morgen ohne Murren akzeptiert wird. Als ich meinen Mädels das erste Mal von dieser Geldverteilung erzählt habe, war die Begeisterung extrem überschaubar. Das Ganze wurde im ersten Moment eher als eine Art unfaire Bestrafung angesehen. Warum sollte man schließlich einen Teil seines eigenen Geldes wegsperren?
Um das Ganze greifbar zu machen, habe ich mir die Mühe gemacht und einen großen Haufen Kleingeld besorgt. Visuelle Veranschaulichung ist bei Kindern der absolute Schlüssel zum Erfolg. Wenn du zehn Euro in Form von Ein-Euro-Münzen auf den Tisch legst, wird das System plötzlich lebendig.
- Eine Münze wandert in den Geldmagneten
- Zwei Münzen gehen in die Urlaubskasse
- Zwei Münzen landen im Wunschtopf
- Die restlichen fünf Münzen bleiben zum direkten Verjubeln liegen
Es hat definitiv eine ganze Weile gedauert, bis der Lerneffekt eingesetzt hat. Man muss Geduld haben und das System immer wieder gemeinsam durchgehen. Das System läuft mittlerweile vollkommen geräuschlos und komplett von alleine. Sie fragen gar nicht mehr nach, sondern verteilen ihre Moneten ganz automatisch.
Was die Schule von einer Achtjährigen lernen konnte
Wie tief dieses Verständnis mittlerweile verankert ist, zeigte sich in der Schule. Meine jüngere Tochter hatte dort im Unterricht das Thema Geld auf dem Lehrplan. Die Lehrerin fragte in der Runde, wie die Kinder zu Hause mit ihrem Taschengeld umgehen.
Meine Achtjährige meldete sich und erklärte ganz unbefangen und detailliert unser Töpfe-System. Sie erzählte vom Geldmagneten, von den zwanzig Prozent für den Urlaub und wie sie ihr Geld aufteilt. Die Lehrerin war im ersten Moment völlig baff und sichtlich beeindruckt. Sie lobte den Ansatz vor der gesamten Klasse und betonte, wie gut sich der Papa wohl mit Finanzen auskennen müsse.
Ein solches Kompliment von außen ist natürlich eine feine Sache. Aber viel wichtiger ist die Erkenntnis dahinter. Kindern wird in Sachen Finanzen viel zu wenig zugetraut. Wenn man sich die Zeit nimmt und die Dinge verständlich erklärt, begreifen sie die Logik hinter klugen Geldentscheidungen blitzschnell.
Was wir Erwachsenen von den Kindern lernen müssen
Wenn wir ehrlich sind, können sich die meisten Erwachsenen von diesem System eine dicke Scheibe abschneiden. Viele Menschen haben das Thema Sparen nämlich völlig falsch abgespeichert. Das Wort löst bei ihnen sofort negative Assoziationen wie Verzicht, Einschränkung und gähnende Langeweile aus.
Dabei ist kluges Sparen das genaue Gegenteil von Verzicht. Man legt Geld zur Seite, um es sich in der Zukunft einfach erheblich leichter zu machen. Wer sein Geld wie ein Kind im ersten Topf eiskalt als Geldmagneten parkt, schafft die Basis für echte finanzielle Freiheit.
Als Erwachsener nutzt man dafür natürlich keine Plastikdose mehr. Man investiert das Geld stumpf und regelmäßig in breit gestreute Aktienfonds oder solide Dividendenaktien. Das investierte Geld wirft dann regelmäßig neue Erträge ab. Es erhöht somit dein Einkommen, ohne dass du selbst dafür schuften musst. Der Geldmagnet zieht also im wahrsten Sinne des Wortes mehr Scheine an.
Wer dieses Prinzip früh verinnerlicht, hat später im Leben gigantische Vorteile. Viele Menschen müssen im Alter mühsam lernen, wie sie überhaupt schuldenfrei werden. Sie verbringen Jahre damit, Konsumsünden abzuarbeiten und mühsam ihre Schulden abbauen zu müssen. Der Weg vom Pleitegeier zum Adler ist steinig und schmerzhaft, wenn man erst mit vierzig Jahren damit anfängt.
Erspare deinen Kindern diesen harten Umweg. Setz dich mit deinem Partner zusammen und besprich, wie ihr das Thema Finanzen im Alltag leben wollt. Bring deinen Kids die Grundlagen der Geldaufteilung so früh wie möglich bei. Sie werden es dir im späteren Leben danken.
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