Warum du Handwerker niemals nach Stunden bezahlen solltest (und wie ich dabei fett gespart habe)
Kennst du das?
Du sitzt gemütlich auf deinem Sofa, hast gerade den Tag hinter dir und denkst dir: „Mensch, heute läuft’s.“
Und genau in diesem Moment, wenn du glaubst, das Universum meint es gut mit dir, meldet sich die Realität.
Meistens in Form eines dumpfen „Plopp“ aus der Küche, gefolgt von einem Geräusch, das verdächtig nach einem Wasserfall klingt.
Willkommen in meinem Leben.
Willkommen im Club der Hausbesitzer, Autonutzer und Technik-Sklaven.
Wir alle wohnen irgendwo.
Der eine zur Miete, der andere im Eigenheim.
Ich gehöre zur zweiten Kategorie, was eigentlich nur bedeutet, dass ich die Reparaturen nicht dem Vermieter in die Schuhe schieben kann, sondern selbst zusehen muss, wie ich die Kohle zusammenkratze.
Das ewige Rätsel der Elektro-Sensenmänner
Wir umgeben uns mit Technik, als wäre sie unser bester Freund.
Waschmaschinen, Spülmaschinen, Kaffeemaschinen – das ganze Arsenal, das uns das Leben angeblich leichter macht.
Aber was dir keiner sagt: Diese Dinger hassen dich.
Sie haben kein ewiges Leben.
Sie haben eine eingebaute Uhr, die genau dann abläuft, wenn du es am wenigsten gebrauchen kannst.
Geplante Obsoleszenz nennt man das in schicken Fachkreisen.
Ich nenne es: „Der Elektro-Sensenmann war wieder da.“
Wenn ich wüsste, dass meine Spülmaschine exakt fünf Jahre hält, könnte ich das wunderbar kalkulieren.
500 Euro Anschaffungspreis durch 60 Monate, das wären etwa 8,30 Euro im Monat.
Ein Klacks, das lege ich weg und gut ist.
Aber das Leben ist keine Excel Tabelle.
Es ist chaotisch, unberechenbar und meistens verdammt teuer, wenn man nicht aufpasst.
Also stehen wir da: Entweder wir kaufen neu und produzieren noch mehr Elektroschrott, oder wir versuchen zu retten, was zu retten ist.
Und genau hier betreten wir das Minenfeld der Handwerker-Abrechnungen.
Ein Ort, an dem unschuldige Normalos wie du und ich lebendig begraben werden, wenn wir die Spielregeln nicht kennen.
Die Spülmaschine des Grauens: Ein Erfahrungsbericht aus der Komfortzone
Neulich hat es also meine Spülmaschine zerrissen.
Es fing harmlos an.
Ein bisschen Feuchtigkeit hier, ein Tropfen da.
Mein erster genialer Einfall? Ich habe ein Schälchen drunter gestellt.
Problem gelöst, dachte ich.
Geiler Typ. Ein Genie vor dem Herrn.
Aber seien wir ehrlich: Ein Schälchen unter einer undichten Spülmaschine ist wie ein Pflaster auf einem offenen Beinbruch.
Es sieht für fünf Minuten so aus, als hättest du die Kontrolle, aber eigentlich wartest du nur darauf, dass dir die Bude wegschwimmt.
Irgendwann war die Dichtung dann so durch, dass selbst mein Schälchen-System kapituliert hat.
Also habe ich ein Haustechnik-Team gerufen.
Die Diagnose war schnell gestellt: Türdichtung im Eimer, Gehäuse verzogen, Schrott.
Dat muss neu!
Und hier fing der eigentliche Spaß erst an.
Nicht der Austausch selbst, sondern das, was danach auf dem Papier stand.
Das Märchen von der 30-Minuten-Reparatur
Ich bekam ein Angebot.
Und ich sag’s euch, als ich die Zeile „Arbeitszeit: 30 Minuten“ las, musste ich erst mal schlucken.
30 Minuten?
Um eine alte Maschine auszubauen, die neue reinzuwuchten, die Fußleisten ab- und wieder anzuschrauben, Schläuche zu verlegen und am Ende noch einen Funktionstest zu machen?
Das ist nicht optimistisch, das ist doch Quark.
Nicht mal Chuck Norris schafft das in 30 Minuten.
Ich habe also zum Hörer gegriffen.
Ich wollte wissen, wie sie auf diese 30 Minuten kommen.
„Ja, das schaffen unsere Jungs im Regelfall schon. Die sind fix.“
Fix?
Ja nnee is klar…
Ich wusste genau, was passieren würde: Die 30 Minuten würden verstreichen, der Kollege würde feststellen, dass ein Anschluss nicht passt oder der Boden uneben ist, und schwupps – tickt die Uhr im 5-Minuten-Takt weiter.
Die Mathematik des Schmerzes: Warum der 5-Minuten-Takt dein Ruin ist
Reden wir mal Tacheles über die Kosten.
In meinem Fall hieß es: 6 Euro pro angefangene 5 Minuten.
Das klingt im ersten Moment nach fast nichts.
Aber rechnen wir das mal wie ein Schuldenkobold hoch.
6 Euro für 5 Minuten bedeutet 72 Euro Netto pro Stunde.
Wenn du dann noch die Märchensteuer draufpackst, bist du in Gefilden, in denen ich mich frage, ob der Kerl nebenbei noch ein abgeschlossenes Medizinstudium vorweisen kann.
Das Problem ist nicht der Stundenlohn an sich.
Qualität hat ihren Preis, das verstehe ich.
Das Problem ist das Risiko.
Jede verklemmte Schraube, jede Kaffeepause, jeder „Huch, ich hab das Werkzeug im Auto vergessen“-Moment kostet DICH bares Geld. Und zwar in 6-Euro-Häppchen.
Das ist Stress pur.
Du stehst daneben und rechnest innerlich mit.
„Oh, er kratzt sich am Kopf – das waren gerade 1,20 Euro.“
„Er sucht die Zange – da gehen die nächsten 3 Euro flöten.“
Wer will so leben? Ich nicht.
Mein Masterplan: Die Pauschale als Rettungsanker
Ich habe also verhandelt.
Ich wollte keine Stoppuhr im Kopf haben, während der Handwerker in meiner Küche rumwerkelt.
Mein Vorschlag: Eine Stunde Pauschale. Festpreis.
Egal, ob er 20 Minuten braucht oder drei Stunden.
Wir einigen uns auf diesen Betrag, und beide Seiten können ruhig schlafen.
Der Chef am Telefon hat erst ein bisschen rumgedruckst, aber am Ende haben wir uns geeinigt auf diese 60 Minuten.
Wenn er schneller ist, habe ich Pech gehabt und quasi eine „Sicherheitsgebühr“ bezahlt.
Wenn er länger braucht… nun ja, das ist dann das unternehmerische Risiko des Handwerksbetriebs, was mir dezent egal ist.!
Ich sage euch, dieses Gespräch war Gold wert.
Und warum?
Weil ich aus Erfahrung lerne.
Ich bin früher schon mal so richtig auf die Fresse geflogen, als aus einer „kleinen Sache“ von einer Stunde plötzlich 2,5 wurden und ich am Ende eine Rechnung präsentiert bekam, die mir die Schuhe ausgezogen haben.
Nie wieder.
Die Stunde der Wahrheit: Murphy’s Law in meiner Küche
Dann kam der Tag X.
Der Handwerker rückte an.
Ein netter Kerl.
Er legte los, und ich habe – natürlich völlig unauffällig – die Zeit gestoppt.
Ich will ja nicht wie der Oberlehrer wirken, aber wissen wollte ich es schon.
Und was soll ich sagen? Die 30 Minuten aus dem Angebot waren nach dem ersten „Oh, die Schraube sitzt aber fest“ bereits Geschichte.
Es kam, wie es kommen musste: Die Fußleiste war widerspenstig, der Abwasserschlauch der alten Maschine war so festgemodert, dass er nur mit Gewalt abging, und die neue Maschine musste millimetergenau ausgerichtet werden, damit die Tür nicht klemmt.
Der gute Mann hat geschwitzt, geflucht und am Ende… exakt 2 Stunden und 10 Minuten gebraucht.
Hätte ich nach dem ursprünglichen Modell bezahlt, hätte ich für die zusätzlichen 100 Minuten (die über die ersten 30 Minuten hinausgingen) satte 120 Euro Netto draufgelegt.
Plus Steuer.
Dank meiner Pauschale habe ich zwar für 60 Minuten bezahlt, obwohl er theoretisch nur 30 „hätte“ brauchen sollen – aber im Endeffekt habe ich locker über 100 Euro gespart.
Der psychologische Faktor: Kaffee statt Krise
Aber weißt du, was das eigentlich Geniale an der Pauschale war?
Es war nicht mal nur das gesparte Geld – obwohl das bei meinen Krediten natürlich ein Segen ist.
Es war die Stimmung.
Weil wir diesen Fixpreis hatten, war ich tiefentspannt.
Ich musste nicht giftig auf die Uhr schauen, wenn er mal kurz innegehalten hat, um zu überlegen, wie er das Schlauch-Dilemma löst.
Ich habe ihm stattdessen einen Kaffee gekocht.
Wir haben kurz über das Wetter und die Tücken moderner Küchengeräte gequatscht.
Er hatte keinen Stress, weil er wusste, dass ich ihm nicht jede Minute vorhalte, und ich hatte keinen Stress, weil mein Kontostand sicher war.
Das ist Lebensqualität.
Wer mehr darüber wissen will, wie man solche finanziellen Stressfaktoren im Alltag eliminiert, sollte unbedingt mal in mein Buch schauen, das ich hier auf dem Blog schon ausführlich vorgestellt habe.
Da geht es genau um solche Strategien: Wie man sein Geld im Griff behält, ohne zum verbitterten Geizhals zu werden.
Es geht um den Masterplan für ein entspanntes Leben, trotz Schulden und Verpflichtungen.
Warum wir uns oft scheuen zu verhandeln
Viele Menschen haben Hemmungen, bei Handwerkern nach einer Pauschale zu fragen.
Man will ja nicht knauserig wirken oder den Profi in seiner Ehre kränken.
Aber das ist Quark.
Handwerker sind Geschäftsleute.
Und ein Geschäft ist dann gut, wenn beide Seiten wissen, worauf sie sich einlassen.
Wenn ein Betrieb keine Pauschale anbieten will, dann meistens deshalb, weil sie genau wissen, dass sie an den unvorhersehbaren Kleinigkeiten im 5-Minuten-Takt viel mehr verdienen.
Das ist legitim aus ihrer Sicht, aber aus DEINER Sicht ist es Mist!.
Ich sehe das immer so: Wir zahlen auch Kredite, Rechnungen, Abos, das Leben quasi.
Wir kalkulieren hart.
Da ist kein Platz für „Huch, die Handwerkerrechnung ist doppelt so hoch wie gedacht“.
Verhandeln ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Zeichen von Intelligenz.
Zusammenfassung für dein nächstes Projekt
Wenn bei dir das nächste Mal etwas kaputtgeht, und glaub mir, das wird es, dann geh die Sache wie ein Profi an:
- Akzeptiere das Chaos: Dinge gehen kaputt. Leg dir eine kleine Reserve an, damit du nicht jedes Mal eine Panikattacke bekommst, wenn die Waschmaschine streikt.
- Hinterfrage Angebote: Wenn da „30 Minuten“ steht, frag nach, wie realistisch das ist. Lass dich nicht mit Märchen abspeisen.
- Die Pauschale ist dein Freund: Handle einen Fixpreis aus. Auch wenn die Pauschale etwas höher liegt als die geschätzte Zeit – die Sicherheit ist es wert.
- Bleib entspannt: Wenn der Preis feststeht, kannst du gastfreundlich sein. Ein Kaffee wirkt Wunder für die Arbeitsmoral, und am Ende ist die Qualität der Arbeit meistens besser, wenn der Handwerker sich nicht gejagt fühlt.
In diesem Sinne: Lasst dich nicht abzocken und behalte deine Finanzen im Blick.
Haust du rein, ich bin raus.
Boris
–
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