Symbolbild zum Thema Gewerkschaftsbeitrag bei Kurzarbeit, das einen Termin für ein Telefonat mit der Gewerkschaft zeigt

Zahlst du zu viel? Der versteckte Fehler beim Gewerkschaftsbeitrag in Kurzarbeit

Manchmal sind es die kleinen, unscheinbaren Posten auf der Gehaltsabrechnung, bei denen man pures Geld verschenkt.

Einfach, weil man nicht genau hinschaut.

Weil man davon ausgeht, dass schon alles seine Richtigkeit haben wird.

Ich spreche heute aus eigener, ganz frischer Erfahrung.

Es geht um den Gewerkschaftsbeitrag bei Kurzarbeit.

Ein Thema, das Tausende von Arbeitnehmern betrifft, über das aber kaum jemand spricht.

Ich habe durch einen Zufall herausgefunden, dass ich monatelang zu viel bezahlt habe.

Und ich habe mir dieses Geld zurückgeholt.

In diesem Artikel zeige ich dir Schritt für Schritt, wie das ging und wie du das auch für dich prüfen kannst.

Die Grundlage: Wie berechnet sich der Gewerkschaftsbeitrag?

Zuerst müssen wir die Basis verstehen.

Wenn du Mitglied in einer Gewerkschaft bist, zahlst du einen monatlichen Beitrag.

Dieser Beitrag ist keine pauschale Summe, sondern er ist in der Regel prozentual an dein Einkommen gekoppelt.

Bei den meisten großen Gewerkschaften, wie auch bei meiner, beträgt der Beitrag 1 Prozent deines durchschnittlichen Bruttoeinkommens.

Das ist ein faires System.

Wer mehr verdient, zahlt mehr und trägt die Gemeinschaft stärker.

Wer weniger verdient, wird entlastet.

So weit, so logisch.

Der Denkfehler in der Krise: Kurzarbeit

Und jetzt kommt die Kurzarbeit ins Spiel.

Ein Instrument, das in den letzten Jahren leider für viele von uns zur Realität geworden ist.

Wenn dein Betrieb Kurzarbeit anmeldet, reduziert sich deine Arbeitszeit und damit auch dein Bruttogehalt, das du von deinem Arbeitgeber bekommst.

Du erhältst zwar eine Ausgleichszahlung von der Agentur für Arbeit (das Kurzarbeitergeld), aber dein ursprüngliches Bruttogehalt sinkt teilweise massiv.

Und hier passiert der Fehler, den ich gemacht habe und den wahrscheinlich Tausende andere auch machen:

Ich ging davon aus, dass die Gewerkschaft das automatisch mitbekommt.

Dass mein Arbeitgeber das meldet oder dass es da irgendeinen digitalen Abgleich gibt.

Denkste…

Die Gewerkschaft weiß nichts von deiner Kurzarbeit, wenn du es ihr nicht sagst.

Das bedeutet: Sie bucht weiterhin den alten, viel zu hohen Beitrag ab, der auf deinem vollen Gehalt basiert.

Du bezahlst also 1 Prozent von einem Gehalt, das du gar nicht mehr bekommst.

Meine persönliche Geschichte: Der Zufall, der Geld brachte

Wie bin ich darauf gekommen?

Ehrlich gesagt, durch einen kompletten Zufall.

Ich hatte Kontakt mit meiner Gewerkschaft, weil ich mein Konto für die Beitragszahlung ändern wollte.

Eine reine Formsache.

Im Zuge des E-Mail-Verkehrs erwähnte die freundliche Mitarbeiterin so beiläufig, dass mein Beitrag ja angepasst werden müsse, wenn sich mein Gehalt ändert.

Da hat es bei mir Klick gemacht.

Ich habe sofort geantwortet und die Situation erklärt: Ich war monatelang in Kurzarbeit, mein Bruttogehalt war deutlich niedriger.

Die Antwort kam prompt: „Kein Problem, das passen wir sofort an. Schicken Sie uns einfach die entsprechenden Gehaltsabrechnungen.“

Gesagt, getan.

Ich habe die Abrechnungen für den gesamten Kurzarbeits-Zeitraum rausgesucht, geschwärzt, was niemanden etwas angeht, und per E-Mail hingeschickt.

Das Ergebnis: Mein monatlicher Beitrag wurde sofort gesenkt.

Und, was noch viel besser war: Mir wurde eine stattliche Summe für die zu viel gezahlten Beiträge der letzten Monate zurückerstattet.

Einfach so, für eine E-Mail und ein paar eingescannte Zettel.

Ein wichtiger Aspekt: Der Rechtsschutz

Eine der Hauptleistungen einer Gewerkschaft ist der Arbeitsrechtsschutz.

Wenn du Stress mit deinem Chef hast, ungerechtfertigt gekündigt wirst oder dein Gehalt nicht bekommst, vertreten dich die Anwälte der Gewerkschaft vor dem Arbeitsgericht.

Das ist ein unschätzbarer Vorteil.

Viele denken daher, eine private Rechtsschutzversicherung sei im Bereich Arbeit überflüssig.

Das stimmt zum Teil.

Dennoch kann eine private Police Sinn ergeben, da sie oft auch andere Bereiche abdeckt, die über den reinen Arbeitsplatzkonflikt hinausgehen, zum Beispiel Streitigkeiten als Manager oder leitender Angestellter, die manchmal nicht vom gewerkschaftlichen Schutz erfasst sind.


Wenn du deine Situation prüfen willst, kannst du hier verschiedene Angebote vergleichen:


Deine Schritt-für-Schritt-Anleitung: Hol dir dein Geld zurück

Wenn du jetzt merkst, „Moment mal, das betrifft mich ja auch!“, dann ist hier die exakte Anleitung, was du tun musst.

Schritt 1: Gehaltsabrechnungen prüfen

Suche dir alle Gehaltsabrechnungen aus dem Zeitraum heraus, in dem du in Kurzarbeit warst.

Relevant ist die Zeile mit deinem „Gesamt-Brutto“ oder einer ähnlichen Bezeichnung.

Du wirst sehen, dass diese Summe deutlich niedriger ist als in normalen Monaten.

Schritt 2: Gewerkschaftsbeiträge abgleichen

Schau auf deine Kontoauszüge und prüfe, welchen Betrag die Gewerkschaft im selben Zeitraum abgebucht hat.

Vergleiche diesen Betrag mit dem, was 1 Prozent deines reduzierten Bruttogehalts gewesen wäre.

Die Differenz ist das, was du zu viel bezahlt hast.

Schritt 3: Kontakt aufnehmen

Schreibe deiner Gewerkschaft eine kurze, formlose E-Mail oder rufe dort an.

Erkläre die Situation: „Sehr geehrte Damen und Herren, ich war von Monat X bis Monat Y in Kurzarbeit. Mein Bruttogehalt hat sich dadurch reduziert. Ich bitte um eine Anpassung meines Beitrags und eine Rückerstattung der zu viel gezahlten Beiträge. Die entsprechenden Abrechnungen finden Sie im Anhang.“

Fertig.

Schritt 4: Geduld haben und auf die Gutschrift freuen

Das war’s.

Die Gewerkschaft wird das prüfen und sich bei dir melden.

In meinem Fall war das eine Sache von wenigen Tagen.

Fazit: Eigeninitiative ist bares Geld wert

Diese Geschichte ist das perfekte Beispiel dafür, dass es sich immer lohnt, proaktiv zu sein und die eigenen Finanzen im Blick zu behalten.

Dieses Prinzip habe ich dir in meinen Artikel über die positiven Ergebnisse deines persönlichen Finanztermins beschrieben (Link dahin: https://borisponitka.de/termin-mit-finanzen/)

Verlasse dich nicht darauf, dass irgendwelche Systeme automatisch zu deinen Gunsten arbeiten.

Du bist der Chef deines Geldes.

Niemand wird dir etwas schenken!

Aber wenn du deine Rechte kennst und deine Unterlagen prüfst, kannst du dir oft Geld zurückholen, das dir rechtmäßig zusteht.

Also: Ran an die Abrechnungen!

Es könnte sich lohnen.

Haust du rein, ich bin raus.

Dein Boris

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