Ein Hund namens MONEY: Wenn der Money-Coach den Vierbeiner auspackt
Bevor wir uns in die Tiefen dieses Buches stürzen, müssen wir kurz über den Mann hinter dem Werk reden: Bodo Schäfer. Wer in den letzten zwanzig Jahren nicht unter einem Stein gelebt hat, kommt an ihm nicht vorbei. Er ist der selbsternannte „Money Coach“, der Mann, der den Deutschen das Sparen und Investieren beibringen wollte, als das Wort „Aktie“ hierzulande noch als Synonym für Teufelszeug und die Telekom Aktie galt.
Schäfer ist bekannt für seine Ansage, dass jeder in sieben Jahren Millionär werden kann. Er ist der Inbegriff des finanziellen Erfolgs-Gurus, immer im perfekt sitzenden Anzug und mit einer Rhetorik, die so glatt poliert ist wie seine Schuhe. Er hat die Finanzliteratur in Deutschland massiv geprägt und ist im Grunde der Urvater all derer, die heute auf Social Media über ETFs und passives Einkommen dozieren.
In Ein Hund namens MONEY* wählt er allerdings einen völlig anderen Weg. Statt trockener Diagramme und harter Bilanzen präsentiert er uns eine Kindergeschichte. Ein weißer Labrador namens Money, der sprechen kann und einem jungen Mädchen namens Kira die Welt des Geldes erklärt. Quasi ein sprechender Hund, der über Rendite philosophiert.
Der sprechende Hund: Zwischen Genie und Wahnsinn
Ich gebe es offen zu: Ich habe das Buch komplett gelesen. Und mein Fazit vorab: Es hat mir wirklich gut gefallen. Aber man muss eine gewisse Toleranzgrenze für Absurditäten mitbringen. Ein sprechender Hund, der einem zwölfjährigen Mädchen erklärt, wie man Investmentfonds auswählt, während ihre Eltern kurz vor der Privatinsolvenz stehen… Das klingt erstmal ziemlich Banane.
Es gibt Passagen, die sind so surreal, dass man kurz überlegt, ob man im falschen Film gelandet ist. Manchmal wirkt die Geschichte etwas konstruiert, fast schon wie ein Märchen, das krampfhaft versucht, pädagogisch wertvoll zu sein. Der Hund Money ist im Grunde ein vierbeiniger Warren Buffett, der keine Leckerlis, sondern Zinseszinsen will.
Aber wenn man diesen ersten Schock der Absurdität überwunden hat, merkt man schnell: Das System funktioniert. Schäfer nutzt die Naivität des Kindes und die Weisheit des Hundes, um Finanzwissen so weit zu komprimieren, dass es auch der letzte stinknormale Typ versteht. Es ist kein hochwissenschaftliches Werk, keine Bibel der Finanzwelt, aber es ist ein verdammt guter Einstieg, der die Dinge auf den Punkt bringt.
Die Gans und das Erfolgstagebuch: Simpel, aber effektiv
Die Kernbotschaft des Buches lässt sich mit dem Gleichnis von der goldenen Gans zusammenfassen. Du darfst die Gans nicht schlachten, wenn du die goldenen Eier willst. Die Gans ist dein Kapital, die Eier sind die Zinsen. Wer sein ganzes Geld ausgibt, schlachtet seine Gans und wird niemals finanziell frei sein. Das ist so einfach, dass es fast weh tut, aber schau dir mal an, wie viele Leute da draußen ihre Gänse am Fließband massakrieren.
Ein weiterer zentraler Punkt ist das „Erfolgstagebuch“. Kira soll jeden Tag fünf Dinge aufschreiben, die sie gut gemacht hat. Das klingt wieder nach neumodernem Quark, aber es hat einen handfesten psychologischen Hintergrund: Es baut Selbstvertrauen auf. Und wer kein Vertrauen in sich selbst hat, wird auch niemals das Vertrauen haben, sein Geld sinnvoll zu investieren oder mehr davon zu verlangen.
Diese kleinen täglichen Gewohnheiten sind das Fundament. Es geht darum, das Gehirn auf Erfolg umzuprogrammieren. In meiner Rezension zu Bring den Müll raus von Dr. Christian Zippel haben wir darüber gesprochen, wie wichtig es ist, den mentalen Schrott zu entsorgen. Das Erfolgstagebuch ist im Grunde das Gegenteil: Es ist das Sammeln von wertvollen Rohstoffen in einem ansonsten oft vermüllten Alltag.
Die drei Töpfe: Warum dein Sparkonto dich ausbremst
Der Hund Money bringt Kira bei, ihr Geld in drei Töpfe aufzuteilen: Träume, Investitionen und Lebensunterhalt. Das ist die klassische 50/40/10-Regel in einer kindgerechten Verpackung. Während die meisten Erwachsenen ihr Geld einfach auf einem Girokonto versauern lassen, lernt Kira hier den Unterschied zwischen Sparen und Investieren.
Das Buch macht deutlich, dass Geld allein nicht glücklich macht, aber dass ein Mangel an Geld verdammt unglücklich machen kann. Es nimmt die Angst vor dem Thema. Geld wird hier nicht als schmutzig oder schlecht dargestellt, sondern als etwas, das man beherrschen muss. Wenn du es nicht beherrschst, beherrscht es dich. Ganz einfache Kiste.
Hier schlägt das Buch eine interessante Brücke zu radikaleren Ansätzen. In meiner Interpretation von The Millionaire Fastlane geht es darum, das Hamsterrad komplett zu sprengen. Bodo Schäfers Hund hingegen zeigt uns erst mal, wie wir im Hamsterrad überhaupt überleben und uns langsam, aber sicher die Freiheit erkaufen. Es ist quasi die Slowlane Variante, die aber für 99 Prozent der Menschen deutlich realistischer ist.
Schulden: Der Maulkorb für deinen inneren Money
Ein Thema, das Schäfer im Buch sehr ernsthaft anspricht, ist die Situation von Kiras Eltern. Sie stecken tief in den Schulden und streiten sich permanent darüber. Das ist die Realität in unzähligen Haushalten. Schulden sind wie ein Maulkorb für den Hund Money. Sie verhindern, dass dein Geld für dich arbeiten kann, weil du erst mal die Fehlentscheidungen der Vergangenheit bezahlen musst.
Wenn du Schulden hast, bist du nicht der Herr im eigenen Haus. Du bist ein Knecht der Bank. In meinem eigenen Buch Schuldenfrei beschreibe ich genau diesen Kampf. Du kannst noch so viele Erfolgstagebücher führen und über goldene Gänse träumen… Solange du negative Zinsen zahlst, während die Bank an dir verdient, bleibst du ein Lurch!
Schäfer rät dazu, Schulden mit Disziplin abzubauen und gleichzeitig trotzdem anzufangen, ein kleines bisschen zu sparen. Das ist psychologisch extrem wichtig, um nicht das Gefühl zu haben, nur für die Bank zu arbeiten. Aber machen wir uns nichts vor: Der schnellste Weg zu einem glücklichen Money Labrador ist ein Leben ohne Kredite für Dinge, die wir uns eigentlich nicht leisten können.
Kritik: Wo der Hund den Faden verliert
Lass uns ehrlich sein: Manche Ratschläge im Buch sind aus heutiger Sicht etwas veraltet oder eben doch sehr märchenhaft. Dass ein Kind innerhalb kürzester Zeit durch Hundesitting und ein paar kluge Tipps von Erwachsenen Tausende von Euro verdient, ist zwar motivierend, aber in der realen Welt eher unwahrscheinlich. Es wird ein Bild gezeichnet, in dem Erfolg fast schon zwangsläufig folgt, wenn man nur die Regeln befolgt.
Zudem wird das Thema Börse sehr oberflächlich behandelt. Das ist total okay für ein Kinderbuch, denn man darf hier keine fundierte Aktienanalyse erwarten. Es bleibt beim Prinzip „Kauf gute Firmen und behalte sie“. Das ist eine gute Basis, aber eben keine vollständige Strategie für den wilden Markt. Es ist eben ein Einstieg, keine Bibel.
Man darf auch den kommerziellen Aspekt hinter Bodo Schäfer nicht vergessen. Das Buch ist natürlich auch ein Marketinginstrument für sein ganzes Imperium. Aber ganz ehrlich: das ist legitim! Er lehrt Erfolg und er praktiziert ihn. Du solltest nur nicht erwarten, dass nach der Lektüre plötzlich ein Hund in deinem Garten sitzt und dir die Lottozahlen flüstert.
Warum das Buch trotzdem ein Volltreffer ist
Trotz der relativ absurden Rahmenhandlung und der teilweise hanebüchenen Erfolgsgeschichten der Charaktere bleibt am Ende ein verdammt solider Kern übrig. Bodo Schäfer hat es geschafft, die komplexen Gesetze des Geldes in eine Form zu gießen, die man nicht mehr vergessen kann. Wenn du einmal von der goldenen Gans gehört hast, wirst du bei jeder unnötigen Ausgabe daran denken, ob du gerade dein Federvieh rupfst.
Es ist ein Buch für Menschen, die bei dem Wort Finanzen normalerweise sofort einpennen oder einen Fluchtreflex bekommen. Es nimmt dem Geld das Bedrohliche. Es macht Spaß zu lesen, eben weil es so skurril ist. Kira ist eine sympathische Protagonistin, mit der man auch mitfiebert, während sie versucht, das finanzielle Chaos ihrer Eltern zu ordnen.
Für mich als einigermaßenen Normalo, der seine Rechnungen bezahlt und versucht, nicht komplett im System unterzugehen, ist dieses Buch eine angenehme Erinnerung an die Grundlagen. Oft verstricken wir uns in komplizierten Anlagestrategien und vergessen dabei, dass Reichtum am Ende des Tages nur aus zwei Dingen besteht: Weniger ausgeben als man einnimmt und den Rest für sich arbeiten lassen.
Fazit: Kein heiliges Buch, aber ein treuer Begleiter
Ein Hund namens MONEY von Bodo Schäfer* ist definitiv nicht die Bibel des Investierens. Aber es ist vielleicht das wichtigste erste Kapitel für jeden, der bisher einen weiten Bogen um sein Bankkonto gemacht hat. Es ist ein Buch, das man eigentlich seinen Kindern geben sollte. Trotzdem ist es auch für jeden Erwachsenen sinnvoll.
Es ist authentisch in seiner Botschaft, auch wenn die Verpackung manchmal etwas absurd wirkt. Bodo Schäfer ist kein Heiliger, er ist ein Geschäftsmann, der verstanden hat, wie man Wissen verkauft. Und dieses Wissen hier ist gut investiertes Geld. Es bricht das Eis und motiviert dazu, die ersten Schritte zu gehen.
Wenn du also bereit bist, über einen sprechenden Labrador hinwegzusehen, wirst du mit einer Klarheit belohnt, die vielen Öxpertenbüchern völlig fehlt. Fang an, deine Gans zu füttern. Schreib dein Erfolgstagebuch. Und bring vor allem erst mal deinen finanziellen Müll raus, damit dein innerer Hund überhaupt Platz zum Atmen hat.
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