Essentialismus: Die konsequente Suche nach dem Weniger oder wie du aufhörst, dein Leben zu verschwenden
Willkommen in der Twilight Zone.
Schau dich mal um.
Was siehst du?
Ich sehe Menschen, die so tun, als wären sie unglaublich beschäftigt.
Sie rennen von Meeting zu Meeting.
Sie starren in ihre randvollen Posteingänge, als würde dort der Heilige Gral versteckt sein.
Sie sagen zu jedem Mist „Ja“, weil sie Angst haben, etwas zu verpassen.
FOMO ist die neue Volkskrankheit.
Und genau in diesen dampfenden Haufen aus Überforderung und Wichtigtuerei kracht dieses Buch: Essentialismus*.
Es ist keine nette Anleitung für Zeitmanagement.
Vergiss das sofort.
Zeitmanagement ist für Leute, die glauben, sie könnten den Wasserfall bändigen, indem sie die Becher schneller wechseln.
Dieses Werk ist quasi eine philosophische Abrissbirne.
Es zertrümmert die Lüge, dass wir alles haben können.
Es zerstört den Mythos, dass wir alles tun müssen.
Es ist die konsequente Suche nach dem Weniger.
Der Mythos des „Alles-Könnens“
Wir leben in einer Welt, die uns ständig einflüstert, dass wir alles sein können.
Erfolgreicher Unternehmer.
Perfekter Vater.
Fit wie ein Profisportler.
Beliebter Partygast.
Und das alles gleichzeitig.
So ein Quark!!
Die Realität ist ein unbarmherziger Buchhalter.
Jedes Mal, wenn du zu einer Sache „Ja“ sagst, sagst du automatisch zu tausend anderen Dingen „Nein“.
Das Problem ist nur: Du tust es unbewusst.
Du lässt zu, dass andere über deine Zeit entscheiden.
Du bist ein Passagier in deinem eigenen Leben.
Der Essentialist hingegen übernimmt das Steuer.
Er versteht, dass fast alles unwichtig ist.
Wirklich fast alles.
Nur ganz wenige Dinge sind von echtem Wert.
Aber wir behandeln jeden Furz wie einen Notfall.
Die Falle der Produktivität
Wir optimieren uns zu Tode.
Wir lesen Bücher über Effizienz, damit wir noch mehr Aufgaben in unseren Tag quetschen können.
Merkst du den Fehler?
Es ist wie ein Koffer, der schon platzt, und du versuchst, noch eine vierte Jeans reinzudrücken.
Der Koffer geht kaputt.
Und du gehst auch kaputt.
Essentialismus ist nicht Produktivität.
Es ist Disziplin.
Die Disziplin, das Unwesentliche gnadenlos auszusortieren.
Es geht nicht darum, mehr zu erledigen.
Es geht darum, die richtigen Dinge zu tun.
Und zwar nur diese.
Das erfordert Cojones.
Oder zumindest ein verdammt dickes Fell.
Warum wir zu allem „Ja“ sagen
Warum tun wir uns das an?
Warum nicken wir wie die Wackeldackel, wenn der Chef uns das fünfte Projekt der Woche auf den Tisch knallt?
Soziale Akzeptanz.
Wir wollen gemocht werden.
Wir wollen nicht der Spielverderber sein.
Wir haben Angst, unersetzlich zu wirken, wenn wir mal „Nein“ sagen.
Dabei ist das Gegenteil wahr.
Menschen, die zu allem „Ja“ sagen, werden nicht respektiert.
Sie werden benutzt.
Sie sind die menschlichen Mülleimer für die Aufgaben anderer Leute.
Ein Essentialist sagt „Nein“.
Oft. Sehr oft!
Höflich, aber bestimmt.
Er versteht, dass ein „Nein“ heute ein „Ja“ zu seinen eigenen Prioritäten ist.
Das ist genau der Punkt, den wir auch bei Das Brian Tracy Maximum Prinzip* (hier kommst du zur Rezension auf dem Blog) gelernt haben.
Dort ging es um die Konzentration auf das Wesentliche, um Erfolg und Freiheit zu erreichen.
Ohne die Fähigkeit, das Unwichtige wegzulassen, bleibst du ein Sklave der Dringlichkeit anderer.
Die Qual der Wahl
Entscheidungen sind schmerzhaft.
Wir wollen uns alle Türen offen halten.
Wir denken, dass Optionen Freiheit bedeuten.
Falsch.
Zu viele Optionen führen zur Lähmung.
Oder dazu, dass wir überall ein bisschen machen, aber nirgends einen echten Abdruck hinterlassen.
Stell dir vor, du hast zehn Meter Energie.
Du kannst zehn Löcher graben, die jeweils einen Meter tief sind.
Oder du gräbst ein Loch, das zehn Meter tief ist.
Wo findest du wohl Wasser?
Wir graben irgendwie alle nur winzige Löcher.
Und dann wundern wir uns, warum wir verdursten.
Der Prozess des Aussortierens
Wie fängt man an?
Zuerst musst du lernen, zu unterscheiden.
Du musst den Lärm vom Signal trennen.
Das meiste ist Lärm.
Schau dir deine To-Do-Liste an.
Was davon wird in fünf Jahren noch zählen?
Wahrscheinlich nichts.
Dann musst du eliminieren.
Das ist der Teil, der weh tut.
Es bedeutet, Projekte zu beenden, in die du schon Zeit investiert hast.
Die „Sunk Cost Fallacy“ ist eine miese Falle.
Nur weil du schon eine Stunde in einem schlechten Film sitzt, musst du dir die restlichen 1,5 Stunden nicht auch noch antun.
Geh einfach raus.
Es ist dein Leben.
Deine Zeit.
Und sie kommt nicht zurück.
Die mentale Härte des Wesentlichen
Essentialismus ist kein einmaliges Event.
Es ist ein Lebensstil.
Es ist eine ständige Übung in Achtsamkeit.
Du musst dir Pausen gönnen.
Raum zum Denken schaffen.
Wie sollst du wissen, was wichtig ist, wenn du nie Zeit hast, darüber nachzudenken?
Wir sind so beschäftigt mit dem Tun, dass wir das Sein vergessen haben.
Das erinnert mich massiv an Shaolin Spirit* (hier kommst du zu Rezension auf der Blog).
Dort geht es um die innere Disziplin und die Meisterschaft des Geistes.
Ein Shaolin-Mönch verschwendet keine Energie für unnötige Bewegungen.
Er ist fokussiert.
Er ist präsent.
Er ist ein Essentialist des Geistes.
Wenn du innerlich kein Fundament hast, wird dich der äußere Lärm der Welt einfach zerquetschen.
Das Paradoxon des Erfolgs
Hier wird es ironisch.
Erfolg führt oft dazu, dass wir den Fokus verlieren.
Warum?
Weil Erfolg Optionen schafft.
Plötzlich wollen alle etwas von dir.
Du bekommst Angebote.
Du bekommst Möglichkeiten.
Und wenn du nicht aufpasst, wirst du zum Opfer deines eigenen Erfolgs.
Du fängst an, Dinge zu tun, die dich von dem abbringen, was dich erst erfolgreich gemacht hat.
Es ist ein Teufelskreis.
Nur wer konsequent essentialistisch bleibt, kann seinen Erfolg halten.
Alle anderen verglühen wie Sternschnuppen.
Der Essentialist im Alltag
Wie sieht das konkret aus?
Es bedeutet, den Kalender radikal auszumisten.
Es bedeutet, Meetings abzusagen, die keine Agenda haben.
Es bedeutet, das Handy öfter mal in die Ecke zu feuern.
Es bedeutet, Zeit für den Schlaf zu priorisieren.
Ja, Schlaf.
Schlaf ist kein Luxus für Faule.
Es ist die Wartung für dein wichtigstes Werkzeug: dein Schädel!!!
Ein übermüdeter Essentialist ist nur ein müder Nicht-Essentialist.
Du musst deine Entscheidungskapazität schützen.
Jede unwichtige Entscheidung klaut dir Energie für die wichtigen Dinge.
Darum tragen erfolgreiche Leute oft die gleichen Klamotten.
Ein Problem weniger.
Die Freiheit des „Nein“
Wenn du erst mal angefangen hast, „Nein“ zu sagen, passiert etwas Magisches.
Zuerst sind die Leute vielleicht irritiert.
Vielleicht sind sie sogar sauer.
Aber nach einer Weile passiert etwas anderes.
Sie fangen an, dich zu respektieren.
Sie wissen, dass deine Zeit wertvoll ist.
Sie wissen, dass ein „Ja“ von dir wirklich etwas bedeutet.
Du gewinnst Souveränität zurück.
Du bist nicht mehr der Spielball.
Es ist ein verdammt gutes Gefühl.
Kritik an der Theorie
Bleiben wir mal ehrlich.
Dieses Buch hat auch seine blinden Flecken.
Es ist sehr aus der Perspektive eines privilegierten Wissensarbeiters geschrieben.
Wenn du am Fließband stehst, kannst du nicht einfach sagen: „Heute konzentriere ich mich nur auf das Wesentliche.“
Dein Chefchen wird dir was husten.
Essentialismus erfordert ein gewisses Maß an Kontrolle über die eigene Arbeit.
Aber auch hier gilt: Innerlich kannst du immer ein Essentialist sein.
Du kannst entscheiden, worauf du deine Aufmerksamkeit richtest.
Du kannst entscheiden, was du nach Feierabend tust.
Oder eben nicht tust.
Manchmal wirkt das Buch auch etwas repetitiv.
Es kaut die gleichen Prinzipien immer wieder durch.
Aber vielleicht brauchen wir das auch.
Unser Gehirn ist so auf „Mehr“ programmiert, dass wir die Lektion über das „Weniger“ gar nicht oft genug hören können.
Es ist eine Umprogrammierung.
Ein Entzug von der Droge der Geschäftigkeit.
Das bittere Ende der Ausreden
Am Ende des Tages gibt es keine Ausreden mehr.
Du kannst nicht sagen, du hättest keine Zeit.
Du hast genau so viel Zeit wie jeder andere Mensch auf diesem Planeten.
Du setzt nur die falschen Prioritäten.
Und Essentialismus zwingt dich dazu, das zuzugeben.
Es ist ein Spiegel, der dir zeigt, wie viel Müll du in dein Leben lässt.
Es ist ungemütlich.
Fazit: Die rote Pille der Effektivität
Essentialismus ist kein nettes Extra.
In einer Welt, die immer lauter, schneller und dümmer wird, ist es quasi Überlebensnotwendig.
Es ist die Entscheidung, dein Leben nach deinen eigenen Regeln zu spielen.
Nicht nach den Regeln von irgendwem.
Lies dieses Buch.
Aber lies es nicht nur.
Wende es an.
Fang klein an.
Sag heute zu einer Sache „Nein“, die du eigentlich nur aus Höflichkeit tun wolltest.
Spür die Freiheit.
Genieß die Ruhe.
Und dann mach es morgen wieder.
Sei konsequent.
Dein zukünftiges Ich wird es dir danken.
Oder es wird zumindest nicht völlig ausgebrannt in der Ecke liegen.
In diesem Sinne: Weniger ist mehr.
Viel Erfolg beim Ausmisten deines Lebens.
–
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