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Boris Ponitka

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The ONE Thing: Die radikale Kunst, alles andere zu ignorieren

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Das Buchcover von The ONE Thing von Gary Keller auf einem Kindle, der draußen auf einem großen Felsen liegt.
12. Oktober 2025
In Buchrezensionen, Mindset & Persönlichkeitsentwicklung, Unternehmertum & Karriere

The ONE Thing: Die radikale Kunst, alles andere zu ignorieren

Wir sind ertrunken. Ertrunken in To-Do-Listen, die länger sind als der Tag. Ertrunken in Benachrichtigungen, E-Mails, Anrufen und „kurzen Meetings“. Wir leben in einer Kultur der ständigen „Beschäftigtheit“, in der Multitasking als Tugend und eine „Work-Life-Balance“ als heiliger Gral gilt. Wir versuchen, alles zu tun. Und am Ende des Tages fühlen wir uns zersplittert, erschöpft und haben das nagende Gefühl, trotz all der Hektik nicht wirklich vorangekommen zu sein.

Wir jagen zwanzig Hasen gleichzeitig und wundern uns, warum wir keinen einzigen fangen.

Genau hier setzt Gary Keller mit seinem Buch The ONE Thing* an und zündet diese ganze Vorstellung von „modernem Arbeiten“ philosophisch an.

Dieses Buch ist kein weiterer Produktivitäts-Hack. Es ist das Gegenteil. Eine „Anti-Produktivitäts“-Buch. Es fügt deiner Liste nichts hinzu. Du wirst gezwungen, deine Liste zu verbrennen, bis nur noch ein einziger, leuchtender Punkt übrig bleibt. Es ist die brutalste und gleichzeitig befreiendste Form der Priorisierung, die ich je gelesen habe.

Ich möchte hier interpretieren, was die Kernaussage dieses Buches ist und warum es, wenn man es ernst nimmt, nicht nur deine Arbeit, sondern dein ganzes Leben verändern kann.

Die Lügen, die wir uns jeden Tag erzählen

Keller beginnt mit einer Demontage. Er nennt sie die „Sechs Lügen“, die zwischen uns und außergewöhnlichem Erfolg stehen. Und wenn ich sie hier aufliste, wird jeder von uns (ja, ich auch) sich schuldig bekennen müssen.

  1. Alles ist gleich wichtig: Die Lüge der To-Do-Liste. Wir behandeln das „Druckerpapier bestellen“ mit derselben Dringlichkeit wie „Strategie für das nächste Jahr entwickeln“. Das ist, so Keller, Wahnsinn. Erfolg ist kein Spiel, bei dem man alles ankreuzt. Erfolg ist ein chirurgischer Eingriff.
  2. Multitasking ist effizient: Die vielleicht größte und giftigste Lüge. Keller zeigt unmissverständlich: Multitasking gibt es nicht. Es gibt nur „Task Switching“. Es ist das ständige Verlassen und Wiederbetreten eines kognitiven Zustands, und es kostet uns bis zu 40% unserer Effizienz. Wer zwei Dinge gleichzeitig tut, tut keines von beiden richtig.
  3. Disziplin ist der Schlüssel: Eine überraschende Lüge. Keller sagt nicht, dass Disziplin unwichtig ist. Er sagt, wir brauchen sie nicht 24/7. Wir brauchen sie nur lange genug, um eine Gewohnheit zu etablieren. Die richtigen Gewohnheiten machen Disziplin (den ständigen Kampf) überflüssig. Es geht nicht um einen „disziplinierten Lebensstil“, es geht um „diszipliniert etablierte Gewohnheiten“.
  4. Willenskraft ist immer verfügbar: Falsch. Willenskraft ist wie der Akku eines Smartphones. Er startet morgens bei 100% und ist abends leer. Wenn du deine wichtigste Aufgabe (deine EINE Sache) auf den Nachmittag schiebst, versuchst du, einen Berg zu erklimmen, während dein Akku bei 5% blinkt.
  5. Work-Life-Balance ist das Ziel: Keller sagt, „Balance“ ist ein Mythos. Außergewöhnlicher Erfolg ist nicht balanciert. Wenn du in einem Bereich (Beruf, Gesundheit, eine Fähigkeit) Meisterschaft erlangen willst, wirst du temporär unbalanciert sein müssen. Es geht nicht um Balance, es geht um „Counter-Balance“ – um das bewusste Austarieren über die Zeit.
  6. „Groß“ ist schlecht: Wir lernen, bescheiden zu sein. „Nur kleine Schritte“. Keller sagt, das ist ängstliches Denken. Es hält uns klein. „Think Big“ ist nicht nur ein Slogan, es ist eine Notwendigkeit, weil große Ziele uns zu anderen Handlungen und einer anderen Denkweise zwingen.

Das Buch ist sein Geld schon wert, nachdem man diese Lügen verinnerlicht hat. Man sieht die Welt (und den eigenen Kalender) plötzlich mit anderen Augen.

Die fokussierende Frage: Das Betriebssystem des Erfolgs

Nachdem er das Fundament planiert hat, baut Keller sein System auf. Und es ist schockierend einfach. Es ist nur eine einzige Frage. Es ist die „fokussierende Frage“, die, wenn man sie konsequent anwendet, alles ändert:

„Was ist die EINE Sache, die ich tun kann, sodass, wenn ich sie tue, alles andere einfacher oder überflüssig wird?“

Diese Frage ist kein Werkzeug. Sie ist ein Skalpell. Ein Laser. Ein komplettes Betriebssystem für Entscheidungen.

Man kann sie auf alles anwenden:

  • Für das Leben: „Was ist die EINE Sache, die ich tun kann, um mein Leben zu meistern…?“
  • Für die Finanzen: „Was ist die EINE Sache, die ich tun kann, um finanziell frei zu werden…?“
  • Für den Tag: „Was ist die EINE Sache, die ich heute tun kann, um mein Wochenziel zu erreichen…?“
  • Für den Moment: „Was ist die EINE Sache, die ich jetzt tun kann, um meinen Tag erfolgreich zu machen…?“

Diese Frage eliminiert 99% des Rauschens. Sie verwandelt eine endlose „To-Do-Liste“ (die auf „alles“ abzielt) in eine „Erfolgs-Liste“ (die auf „das Wichtigste“ abzielt).

Der ultimative Domino-Effekt

Warum die „EINE Sache“? Weil Erfolg, so Keller, sequenziell ist, nicht simultan. Er baut aufeinander auf. Er verweist auf den Domino-Effekt: Ein einzelner Domino kann einen um 50% größeren Domino umwerfen. Wenn man eine Kette aufbaut, kann der erste, winzige Stein einen Wolkenkratzer zum Einsturz bringen.

Unsere EINE Sache ist der erste Domino. Wir müssen nicht den Wolkenkratzer umstoßen. Wir müssen nur den ersten Domino finden und ihm einen kräftigen Stoß geben.

Das ist der Kern von „Meisterschaft“. Es ist das genaue Gegenteil von dem, was die Gesellschaft uns lehrt (sei flexibel, sei ein Alleskönner). Es ist ein Plädoyer für die Tiefe statt der Breite.

Die Brücke zu unserem Goldstandard

Dieses Buch ist die perfekte Ergänzung zu dem, was wir bisher besprochen haben. Es ist wie das fehlende Puzzleteil, das andere Prinzipien bündelt und auf die Spitze treibt.

Wir haben mit Das Brian Tracy Maximum Prinzip* (hier kommst du zu meiner Buchinterpretation) über die 80/20-Regel gesprochen (die 20% finden, die 80% des Erfolgs ausmachen). „The ONE Thing“ geht weiter. Es fragt: Was sind die 20% von den 20%? Was ist die EINE Sache? Es ist das 80/20-Prinzip auf Steroiden.

Wir haben mit Shaolin Spirit* (hier kommst du zu meiner Buchinterpretation) über die Kraft der inneren Haltung und der Disziplin gesprochen. „The ONE Thing“ gibt dieser Disziplin die Richtung. Es ist die Klarheit, wofür wir diese innere Stärke nutzen.

In einer komplexen Welt voller Chaos, über die wir in zukünftigen Beiträgen vielleicht noch sprechen werden, ist „The ONE Thing“ das ultimative Gegenmittel. Es ist die persönliche Strategie, um souverän zu bleiben, indem man sich auf das konzentriert, was man kontrollieren kann.

The ONE Thing ist die Blaupause für die „Eigenverantwortung“, die in den Finanzbüchern gefordert wird.

Was ich aus „The ONE Thing“ mitnehme

Dieses Buch ist eine Befreiung. Es ist die Erlaubnis, „Nein“ zu sagen. Einfach unbalanciert zu sein. Es ist die Erlaubnis, das Telefon auszuschalten und sich für vier Stunden auf eine einzige, verdammt wichtige Sache zu konzentrieren.

  1. Das Ziel ist nicht, mehr zu erledigen. Das Ziel ist, mehr erreicht zu haben, indem man weniger tut. Es ist der Unterschied zwischen „beschäftigt“ und „produktiv“.
  2. Blocke deine Zeit. Die EINE Sache ist wertlos, wenn sie keinen Platz im Kalender hat. Keller nennt es „Time Blocking“. Blocke jeden Morgen 3-4 Stunden für deine EINE Sache. Das ist kein „Meeting“. Das ist ein Termin mit deinem eigenen Erfolg. Und dieser Termin wird verteidigt.
  3. Lebe mit Absicht. Unsere einzige priorität sollte sein, was wir mit unserer Zeit tun. Dieses Buch zwingt dich, eine „Erfolgs-Liste“ statt einer To-Do-Liste zu führen. Es ist der fundamentalste Schritt zu einem selbstbestimmten Leben.

„The ONE Thing“ ist kein Buch für jeden. Es ist ein Buch für Menschen, die bereit sind, radikale Klarheit über alles andere zu stellen.

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